Berechnung und Mechanik
Wie hoch die Margin ist, legen Regelwerk und Broker fest. Unter Reg T, der Regelung der US-Notenbank für Wertpapierkredite, gelten feste Regeln für einzelne Positionen und anerkannte Optionskombinationen, Broker können strengere eigene Sätze verlangen. Für viele US-Aktien beträgt die Initial-Margin 50% des Kaufwerts, die Maintenance-Margin nach den Regeln der FINRA mindestens 25%, viele Broker verlangen mehr. Für eine ungedeckte Short-Option auf eine Aktie gilt nach den Regeln der CBOE der aktuelle Optionswert, beim Eröffnen die erhaltene Prämie, plus 20% des Aktienkurses, abzüglich des Betrags, um den die Option aus dem Geld ist, mindestens aber der Optionswert plus 10% des Strikes bei Puts respektive des Aktienkurses bei Calls.
Bei einem Credit Spread mit definiertem Risiko gilt unter Reg T in der Regel die Strike-Differenz mal Kontraktmultiplikator. Weil die eingenommene Prämie im Konto liegt, bindet der Spread effektiv die Strike-Differenz abzüglich Prämie, also seinen Max Loss. Ein Debit Spread ist voll bezahlt und braucht keine weitere Margin. Bei Futures und Optionen auf Futures legen Börse und Clearinghaus die Margin pro Kontrakt fest, Broker können mehr verlangen. Die Beträge werden bei veränderter Volatilität angepasst.
Portfolio Margin berechnet die Margin stattdessen aus Stress-Szenarien: Zusammengehörige Positionen werden gemeinsam bei Kurs- und Volatilitätsbewegungen in festgelegten Bandbreiten bewertet, die von der Produktgruppe abhängen, massgebend ist der grösste Verlust. Gegenläufige Positionen verrechnen sich dabei. Absicherungen können die Margin senken, wenn das Modell sie als Verrechnung anerkennt. Unter beiden Regelwerken kann sich die Margin während der Laufzeit verändern, etwa durch Kursbewegungen, veränderte Optionswerte oder neue Positionen.
Abgrenzung
Der Max Loss beschreibt den grössten theoretischen Verlust einer Position am Verfall, die Margin die Sicherheit, die der Broker heute dafür verlangt. Bei Spreads liegen beide Werte nahe beieinander, bei ungedeckten Optionen ist die Margin meist deutlich kleiner als der mögliche Verlust.
Die Margin ist kein Teil des Netto-Liquidationswerts, sondern wird dem Kontowert gegenübergestellt. Steigt die Maintenance-Margin über den belehnbaren Kontowert (Equity with Loan Value), kann der Broker Positionen ohne Rückfrage glattstellen. Die Reserve dazwischen heisst bei Interactive Brokers Excess Liquidity, ihr Anteil am Netto-Liquidationswert Cushion. In starken Marktbewegungen kann sie von zwei Seiten schrumpfen, wenn der Kontowert fällt und die Margin gleichzeitig steigt.
Quellen
- Federal Reserve: Regulation T (12 CFR 220), Gesetzestext im eCFR
- FINRA Rule 4210: Margin-Anforderungen
- CBOE: Optionsmargin, mit Margin Manual und Beispielen
Verwandte Begriffe
- Netto-Liquidationswert (NLV, Net Liquidation Value, Kontowert)
- Max Loss (Maximaler Verlust, Max. Verlust (begrenzt), Max. Verlust Optionen)
- Prämie/Margin (Return on Margin, Restprämie/Margin p.a., Restrendite)
- Verkaufte Prämie (Sold Premium, Short-Prämie)
- Kontraktmultiplikator (Contract Multiplier, Multiplier)
Alle Markt- und Analysedaten dienen ausschliesslich Bildungs- und Analysezwecken und stellen keine Anlageberatung oder Handelsempfehlung dar.